Staffel 2: Episode 1: DIE FEUERTAUFE
Drehbuch: Franz Xaver Sengmüller


Neue Staffel, neues Glück: Lissy ist endgültig weg, und dass Claudia Demarmels nicht im Vorspann auftaucht, hat sicher nichts Gutes für die Martin-Christl-Beziehung zu bedeuten. Uiuiui.

Sommer in Wildbach. Max Griessböck schleppt einen schnöseligen (weil Anzug tragenden) potenziellen Geschäftspartner für Martins Proto-GPS zum Kramerhof - Herrn Helmer.

Unterdessen albern Conny und Alois vor dem Sportgeschäft herum: Conny hat Alois dazu gebracht, Rollerblades anzuziehen - womit sie zwar dem Trend 10 Jahre voraus sind, Alois aber nicht unbedingt glücklich ist. Außerdem haben sie Martins Notruf-Prototyp für die bevorstehende Demonstration dabei. Warum der Prototyp nicht am Kramerhof getestet werden kann, weiß kein Mensch, aber egal.

Schnösel besteht auf zügiger Durchführung, Conny drückt auf den Knopf, und das Gerät - inzwischen "Bergvox" benamst - behauptet, Conny wär in Garmisch, was einem Fehler von ca. 18 km entspricht und naturgemäß niemanden beeindruckt. Just zu dem Zeitpunkt dringt ein überaus arrogantes/nerviges Ehepaar in Martins Küche ein, weil es - wie sich mittelfristig herausstellt - Martin den Kramerhof abkaufen wollen. (Im Dorf hat sich offenbar Martins finanzielle Schieflage bereits herumgesprochen.) Dem Schnösel wird diese ganze Ablenkung zu bunt; er verschwindet. Martin weist jede Verkaufsbereitschaft brüsk von sich und schmeißt das Ehepaar, nicht ganz zu Unrecht, raus.

Kaum haben sie sich verzogen, taucht Christl auf und erklärt uns nochmal, dass Martin seinen Hof verlieren könnte, wenn seine Erfindung nicht bald funktioniert. Außerdem will sie ihn ablenken und auf eine Bergtour mitnehmen.

Conny und Alois philosophieren über das Leben, Ehrgeiz und Martin. Meinetwegen.

Christl fährt vor dem Tourismusbüro vor und trifft dort auf Eva Neureuter, die neue Leiterin des Büros. Christl erklärt ihr, dass sie die Symposien, die sie in letzter Zeit organisiert hat, zwar total spannend fand, aber in Zukunft diese Arbeit wohl an Eva hängen bleiben wird.

Sportgeschäft. Inge ist nölig, weil Conny ihr eine Gehaltserhöhung versprochen hat, sie jetzt aber immer weiter in die Zukunft verschiebt.

Kramerhof. Das Bergvox funktioniert plötzlich. Martin ist ekstatisch, funkt Conny an, der freut sich auch. Aber noch ist der Hof nicht gerettet.

Am Berg. Es muss der nächste Tag sein, denn Christl und Martin sind auf ihrem geplanten Ausflug. "Von hier sehen alle Probleme viel kleiner aus", seufzt Martin und fragt Christl dann, ob das zu abgedroschen klingt. Martin? Auch nicht abgedroschener als 90% von dem, was du so von dir gibst. Jedenfalls gibt sich Martin beeindruckt ob Christls Engagement für die Umwelt, aber Christl deutet an, dass sie mehr will als Tagungen und Memoranden. Dann gehen sie wieder weiter.

Inge hat sich unterdessen Gedanken gemacht: Wenn sie wenigstens eine gescheite Aufgabe hätte, die über das Hin- und Hertragen von Schuhkartons hinausginge, würde sie das mit der Gehaltserhöhung vielleicht erstmal auf sich beruhen lassen.

Am Berg schenkt Christl Martin unterdessen reinen Wein ein: Sie will bei UNICEF anfangen - und zwar als Spendensammlerin in der Industrie. (Okay. Warum auch nicht?) Morgen fliegt sie nach Genf, um das näher zu besprechen. Der Nachteil an der Geschichte: Sie wäre kaum noch in Wildbach. Sie macht einen halbherzigen Versuch, Martin ebenfalls für eine UNICEF-Tätigkeit zu gewinnen, aber Martin spielt die beleidigte Leberwurst (mit eher, wie soll ich sagen, untiefer Emotionalität), weil Christl ihm nicht eher in diese neue Sache in ihrem Leben eingeweiht. Christl stellt klar, dass Martin mit seinem Bergvox so beschäftigt war, dass sie wohl kaum zu ihm durchgedrungen wäre.

Sportgeschäft. Inge bedrängt Conny, ihr nun endlich die versprochene verantwortungsvolle Aufgabe zu übertragen.

Am Kramerhof spricht Martin mit seinem Bankberater, der so ganz nebenbei nach den Grundstücksgrenzen fragt und die strukturelle Integrität der tragenden Balken prüft. Hehe. Martin bekommt unterdessen einen Anruf vom Max Griessböck, der einen neuen potenziellen Käufer verspricht - einen Japaner. Der Banker drängt darauf, sich möglichst schnell mit dieser Möglichkeit auseinander zu setzen, weil sogar schon potenzielle Käufer des Kramerhofs in der Bank aufgeschlagen haben und am Monatsende jede Menge Tilgungen fällig werden. Martin ist so genervt, dass erstmal wieder ein paar Minuten Harley fahren muss. Gähn.

Er kommt schließlich am Sportgeschäft an und bittet Conny, ihn am nächsten Tag bei einem Live-Test des Bergvox zu unterstützen - Alois und Sepp hätten auch schon zugesagt. (Wozu man vier Leute braucht, um das Gerät zu testen, weiß der Himmel.) Conny kommt das wie gerufen, weil er Inge (die diesmal ein Surfbrett trägt) in diese Geschichte einbeziehen kann - und ihr einredet, dass quasi sie allein so Martin vor dem Ruin retten kann, was ihre verantwortungsvolle Aufgabe sein könnte.

Kramerhof. Tourismusbüro-Neuling Eva wartet auf Martin, der sie aber für eine neue Kaufinteressierte hält, gar nicht erst zu Wort kommen lässt und mit beeindruckender Grobheit vom Gehöft jagt.

Um Inge die Illusion zu lassen, dass sie die entscheidende Person in Martings Bergvox-Test ist, muss der eigentlich als Tester vorgesehene Alois dazu gebracht werden, sie zu bitten, ihn mitzunehmen. Weshalb Conny ihn in der Disco dementsprechend belatschert und Alois schließlich Inge tatsächlich, wenn auch zögerlich, darauf anspricht, als sie erscheint. Am Kramerhof nölt Martin unterdessen vor sich hin, liest in Physikbüchern und betrachtet ein Foto von sich und Christl.

Am nächsten Morgen auf dem Kramerhof. Martin kocht Weißwürste für sein Team, aber Inge und Alois brechen lieber sofort auf (wahrscheinlich kennen sie Martins Kochkünste). Hier schließt sich eine ganz kurze, erschreckend gut geschriebe Szene an, in der Martin und Conny im Türrahmen stehen, und keiner von beiden über die Abwesenheit der jeweiligen (Ex-)Freundin reden will. Diese eine Szene illustriert wunderbar, ein wieviel besserer Schauspieler Horst Kummeth gegenüber Siegfried Rauch ist.

Weiter im Text. In Genf bekommt Christl eine UNICEF-Broschüre in die Hand gedrückt und ein unspezifischer Anzuträger erklärt ihr, dass es für sie kein Zurück mehr gibt, wenn das Komitee erstmal mit seiner Sitzung fertig ist. Warum - weil man enteignet wird, wenn man für die UNICEF zu arbeiten beginnt, und ein UNICEF-Logo als Brandzeichen auf die Schulter bekommt?!

Inge führt den immer noch mäßig begeisterten Alois unterdessen zu einer ihrer Lieblingsstellen in den Bergen, während am Kramerhof noch Karten gedroschen werden. Sepp lässt durchblicken, dass es Eva Neureuter war, die Martin am Vortag hat abblitzen lassen, und zu vage asiatischen Klängen fährt ein Asiat mit Chauffeur vor - der potenzielle Käufer, mit dem Martin heute noch nicht gerechnet hatte, und der - natürlich - Herr Watanabe heißt und begeistert ist, der "Nagelprobe" des Geräts beiwohnen zu können.

Alois und Inge sind indessen an einem Weiher "abgestürzt", haben also den Notruf aktiviert. Wenn nicht die furchtbare Comedy-Musik unter dieser Szene läge, wäre sie richtig gut: Wie die beiden nicht recht wissen, was sie miteinander reden sollen, bis sie einen gemeinsamen Nenner finden: das Essen.

Am Berghof laufen inzwischen die Daten ein. Martin zeigt Sepp - sehr oberflächlich, möchte ich anmerken - die Bedienung des Geräts, und dann machen sich Martin und Conny auf, um die "Abgestürzten" zu finden. Was ja auch viel mehr Sinn macht, als wenn Martin bei seinem sensiblen System auf dem Kramerhof bleiben und Sepp mit Conny auf Außeneinsatz gehen würde. Seufz. Das rächt sich auch umgehend, als Sepp meldet, dass das Gerät zunehmend merkwürdige Daten liefert. Martin muss ihm recht hilflos per Funk raten, einfach nochmal von vorn zu beginnen, aber dann - Schockschwerenot! - beginnt der Monitor zu flickern! Und der Vocoder bekommt Schluckauf.

Unterdessen tritt Alois auf das Bergvox und macht zumindest die billige Plastikhülle kaputt. Alois bekommt eine Krise, weil er glaubt, Martin soeben in den endgültigen Ruin getrieben zu haben. Und dann beginnt ein Streit darüber, wer eigentlich schuld ist: Alois, der draufgetreten ist, oder Inge, die es an eine Stelle gelegt hat, wo Alois dann drauftreten konnte. (Diese ganze Sequenz ist lausig geschnitten - da die Computerprobleme beginnen, bevor Alois auf das Gerät tritt, wissen wir Zuschauer eh schon, dass das nicht der Grund des Problems sein kann. Oder wir sind verwirrt.) Martin erklärt den Test zur Katastrophe und bricht ihn ab. Alois ist entsetzt und schmiedet Pläne, seine Tankstelle zu verkaufen, um Martin zu retten. Und Inge sorgt sich umgehend um Alois, der Streit ist vergessen. Diese beiden werden’s noch weit miteinander bringen...

Conny holt Inge und Alois auf halbem Weg ab und kann den beiden endlich erklären, dass die Signale problemlos eingegangen sind, der Fehlschlag also nicht an der Zerstörung des Prototyps liegen kann. Alois atmet auf.

Am Kramerhof. Herr Watanabe ist weg, Martin holt nur den Sepp ab, um ihn wieder ins Dorf zurück zu fahren, und eine der dämlichsten Szenen der gesamten Serie folgt: Sepp schlägt Martin vor, abzuschalten, beispielsweise an eine Reise zu denken. "Ich stell mir dann immer so eine Landkarten vor, weißt, auf der ich dann...", sagt er und malt mit dem Finger in der Luft herum. Und da - da! - hat Martin die Erleuchtung. Weil, wenn man ein Ortungsgerät konzipiert, kommt man ja nicht so ohne weiteres darauf, es mit einer Landkarte zu kombinieren, oder? "Eine in Quadrate unterteilte Karte des Einsatzgebietes", murmelt Martin. Super Idee. Hatte vorher garantiert noch keiner. Die meisten Landkarten, die man so im Handel bekommt, sind ja immer in Achtecke unterteilt. "Damit fällt der Vocoder weg", ist Martin begeistert. Den ich sowieso nie verstanden habe (also, den Vocoder, nicht Mart-- andererseits: schon gut), denn außer für blinde Einsatzleiter bringt er eh keine zusätzlichen Vorteile. "Genau umgekehrt wie früher", spricht Martin mit sich selbst weiter (weil nicht mehr der Vocoder ein immer kleineres Gebiet nennt, sondern der Mensch einen Punkt genannt bekommt, den er dann auf der Karte wiederfinden muss), "vielleicht muss ich die Formeln einfach nur spiegeln." Hä? Hääääää? Kein Wunder, dass Martin ewig braucht, um seine Erfindungen zur Marktreife zu bringen - er hat einfach: Absolut. Keine. Ahnung.

Wie. Auch. Immer. Der immer noch halb in seinen eigenen (zugegeben schwer zu fassen zu bekommenden) Gedanken schwelgende Martin bringt Eva Neureuter einen Blumenstrauß ins Verkehrsbüro, um sich zu entschuldigen.

Kramerhof. Christl ist zurück und am Telefon, als Martin ankommt. Sie richtet ihm aus, dass Herr Watanabe vom Bergvox begeistert ist (gut, dass er nicht Martins Monolog im Auto mitbekommen hat), was Martin freut. Außerdem erzählt sie ihm, dass sie jetzt offiziell Mitarbeiterin von UNICEF ist, was Martin weniger toll findet. Aber er trägt es mit Fassung - und geht wieder an seine Erfindung. Christl stellt nochmal klar, dass sie morgen schon nicht mehr da ist, und Martin nimmt sich noch eine Minute, um sich von ihr zu verabschieden. Sie sagen "servus", dann steigt Christl ins Auto und fährt davon - das wohl unspektakulärste Ende einer Beziehung im gesamten deutschen Fernsehen seit 1950. Und dann geht Martin, weitgehend ungerührt, wieder an die Erfinderarbeit.