
| Staffel 1: Episode
10: RETTUNG AUF ITALIENISCH Drehbuch: Peter Probst Im Böglerhof wird Christl von ihrer bis dato unerwähnten Schwester Vroni überrascht, die wir aufgrund penetranten Von-Hinten-Anschleichens und Augen-Zuhaltens und Wer-bin-ich-Fragens sofort als Nervensäge enttarnen. Christl reagiert mit erschreckender Gleichmut. Vroni erzählt Christl, die das alles schon weiß, was für ein Idiot Vronis Mann Ferdi ist, und dass sie ihn erstmal für ein paar Monate verlassen hat. Christls Begeisterung kennt keine Grenzen. In der Leitstelle versucht Emmeran einen italienischen Brief zu übersetzen. Erschrocken stellt er fest, dass zwei Vertreter der italienischen Partner-Bergwachts-Sektion schon am nächsten Tag zu einem Austauschprogramm eintreffen wollen - und schwingt sich sofort auf sein Fahrrad, um Martin zu alarmieren. Ein Dutzend Notrufe bleiben während seiner Abwesenheit ungehört. Vroni beschwert sich weiter über ihren Mann, während Christl ihre Koffer auspackt. Bla bla bla, was auch immer. Vroni nervt. Wir haben es begriffen. Christl erwähnt, dass sie zu Martin zieht, während Vroni ihr Zimmer bewohnt. Vroni erwähnt, dass sie den Böglerhof praktisch alleine aufgebaut hat und "Mörtel gerührt, während alle anderen zum Tanzen gegangen sind" - was dann auch erklären würde, warum sie keinen gescheiten Ehemann mehr abbekommen hat. Man fragt sich, warum der Böglerhof dann inzwischen Christl gehört, aber das Thema wird - natürlich - nicht mehr angeschnitten. Am Kramerhof baut Martin irgendwas - wie so oft. Emmeran redet auf ihn ein, aber Martin versucht, ihn zu beruhigen. Irgendwas wird ihnen schon einfallen, wie sie die italienischen Kollegen beeindrucken können. (Unterdessen sterben zehn Kletterer, deren Notruf Emmeran nicht annehmen kann.) Martin beschließt, dass sie noch für den selben Abend eine Sitzung einberufen, um über die Situation zu reden. Da erscheint Christl und erlöst Martin; er zeigt ihr, wie er die Spüle des Wohnmobils umbauen will. Christls Begeisterung kennt keine Grenzen. Martin schickt Emmeran weg. Christl räumt ihre Sachen ein und unterhält sich mit Martin über steinzeitliche Felszeichnungen aus einem Buch über ihr gemeinsames Reiseziel, die Sahara. Blubb. Tanja! Tanja bekommt eine eigene Szene! Sie sitzt in einem Auto mit einem Münchner Fatzke, wie immer brillant charakterisiert durch das Tragen eines Anzugs und - noch besser! - den Hinweis, er wolle sich nicht beim Tanken den neuen Anzug beschmutzen. Also steigt Tanja aus und tankt. Fatzke wedelt mit einem 100-Mark-Schein, aber als Tanja ihn sich schnappen will, zieht er sie zu sich heran und küsst sie. Tanja ist entgeistert – offenbar hatte er ihr einen Job als Chefsekretärin angeboten, aber jetzt durchschaut sie seine Motive. "Wo ich ja nicht mal Steno kann", fällt ihr auf. In seiner Firma komme es ohnehin mehr auf die Ausstrahlung an, versichert Fatzke. Alois, der die ganze Zeit über missbilligend im Hintergrund herumgestanden ist, kommt heran und erzählt dem Fatzke einen Schmarrn über dessen Reifen, die angeblich so gut wie selbstmörderisch sind. Verunsichert will der Fatzke wissen, ob er von Alois denn neue Reifen kaufen kann. Schon, meint Alois, und fügt hinzu: "Bloß nicht diesen Typ!", sieht dabei aber Tanja an. Nett gemacht, die Szene, aber warum Tanja überhaupt wieder in das Auto von Fatzke gestiegen ist, erschließt sich mir nicht. Naja, Alois zieht von dannen, und Fatzke und Tanja fahren los. Alois lacht, und dann unterhält er sich mit Erni über Tanja und wie sie ihn enttäuscht, nur um auf Ernis Nachfragen entrüstet einzuwerfen, dass er mit seiner Mutter doch nicht über seine Beziehungskisten redet! Tja, selbst schuld, Alois! "Beziehungskisten! Wie das klingt!" regt sich Erni auf, und wisst ihr was? Sie hat recht. Alois meint, zusammen fassend, dass er der Depp bleibt, solange er Tanja nachläuft, und damit hat er ja nun auch nicht ganz unrecht. Inzwischen ist Emmeran hereingeschneit und lehnt Ernis Angebot eines "Biers oder Schnapserls" (wie spät ist es eigentlich?!) ab, weil er im Dienst ist. Wahre Worte! Was denn passiert sei, will Erni wissen. "Nix", sagt Emmeran, was eine ziemlich mutige Aussage ist für jemanden, der seit mindestens einer halben Stunde nicht mehr auf seinem Posten ist. Er erklärt sein Italien-Problem, aber Alois ist wenig beeindruckt. "Gibt’s da Weiber?" fragt Alois. Emmeran ist entsetzt. Er wird noch viel, viel entsetzter werden... Und wir auch. Denn die nächste Szene spielt im Verkehrsverband und beinhaltet – schluck! – Jessica Stockmann. Sie setzt gerade ein perfekt auf sie zugeschnittenes 10-teiliges Puzzle zusammen... okay, es ist ein Entwurf für einen Fremdenverkehrsprospekt. Sie ist nicht zufrieden damit, was zu belanglosem Geplänkel mit Conny führt, der neben ihr steht und sie bewundernswerterweise nicht erwürgt. Wie in den letzten drei Szenen stürzt auch hier Emmeran herein, betont in völliger Leugnung der inzwischen zweiundfünfzig toten Bergwanderer, dass niemandem etwas passiert ist und berichtet von den italienischen "representanti". Conny findet das Ganze nett - wahrscheinlich, weil er so den Abend nicht mit Lissy verbringen muss. Christl findet unterdessen Vroni dabei vor, wie sie die Bilanzen des Hotels durchwühlt und Christls Erfolge missbilligt. Es kommt - endlich! - zum offenen Streit, in dessen Verlauf Vroni erklärt, beim Tod ihres Bruders schließlich auf alle Anteile verzichtet zu haben. Bruder? Hä? Wie viele tote Familienmitglieder hat Christl? Und warum durfte Vroni überleben? Egal, Vroni ist schon weiter und bereitet eine Heulattacke vor. Wenn es mit Ferdi auseinander gehen sollte und Christl das Hotel in den Konkurs treibt, soll sie dann etwa unter der Isarbrücke schlafen? Christl versucht, sie zu beruhigen, aber hey, das ist eben die Vroni. Herzensgut, hysterisch, mit einer Stimme wie ein Chipmunk auf Helium. Christl versucht, sie zu überzeugen, dass mit Ferdi bestimmt alles wieder gut wird (schließlich hat sie sonst die Vroni am Hals!), wird dann aber zu einem Gast gerufen, der Probleme mit seinen Autoreifen hat. Hmm. Wer könnte das sein? Später trifft sich der harte Kern der Bergwacht auf dem Kramerhof, um das Italienerproblem proaktiv anzugehen. Die Delegation wird auf einer Berghütte untergebracht werden, das ist schnell beschlossen. Aber leider mag sie niemand vom Bahnhof abholen: Günther muss die Praxis hüten, Conny erwartet eine Lieferung und Alois, der hier übrigens genau fünf Jahre alt ist, mault, dass er nicht gehen mag, wenn Conny nicht mitkommt. Martin ist sauer und spricht ein Machtwort. Da! Jetzt muss nur noch ein Programm zusammen gestellt werden. Schnell ist vereinbart, dass man mal so richtig auftrumpfen und eine gewaltige Übung in der Gamskopfwand, der "schwersten Wand in der ganzen Gegend", aufziehen will. Und am Abend? Nach einigen erfolglosen folkloristischen Vorschlägen kommt die "Blaue Isar" zur Sprache, die, wie sich herausstellt, eine bajuwarisch angehauchte Oben-ohne-Bar ist. In Wildbach. Ja, genau! (Außerdem: Die Isar ist nichtmal in der Nähe des fiktiven Wildbach. Müsste besagte Bar nicht "Blaue Loisach" heißen?) Martin, der offenbar zwischenzeitlich schwul geworden ist, kann sich nicht vorstellen, was so „lustig“ an Oben-ohne-Dirndln sein soll, kann aber auch nichts Besseres anbieten. Also abgemacht. Die Versammlung löst sich auf. Zeit wird's, die Szene läuft schon ewig. Alois und Sepp richten die Hütte her. Alois ist nölig - immer noch. Sepp gibt ihm ungefragt gute Ratschläge: Er soll Tanja überraschen, beeindrucken, die Schwätzer emulieren, auf die Tanja so abfährt. "Ich bin rein geistig der King" soll Alois‘ neues Mantra sein. Und das von Sepp! Kramerhof. Martin telefoniert mit der "Blauen Isar", um herauszufinden, ob Programmpunkte wie die Zugspitz-Revue und der Nackerte Schuhplattler auch sicher nicht "anrüchig" sind, um seine "Gäste aus dem Ausland" nicht zu verschrecken. Christl steht in der Tür und belauscht ihn dabei. Martin: Es ist nicht so, wie du denkst! Christl: Halt’s Maul, ich bin total spitz. Oder so ähnlich. Aber dann bringt Martin Vroni ins Gespräch, und Christl kühlt vorübergehend ab. Was ist nur mit dem Kerl los? Egal, es folgt noch mehr Geplänkel darüber, wie schrecklich Vroni ist, bevor Christl sich auf Martins Schoß setzt und einen neuen Anlauf nimmt. Martin stiert dabei geradeaus, als wäre er in Gedanken bei einer schwierigen Matheaufgabe. Lauf, Christl, lauf! Der Mann ist verloren! Die Bergwacht probt ein Willkommenslied, das vielleicht, aber auch nur vielleicht "La Montanara" sein könnte, als der Bus vorfährt, in dem die Italiener sitzen sollen. Niemand will die Begrüßungsansprache halten. Auf italienisch? Kann keiner. Auf englisch? Martin: "Mein Englisch klingt immer so australisch." Martin? Dein Englisch klingt, als wärst du einem amerikanischen Propagandafilm über hässliche und linguistisch minder-bemittelte Deutsche von ca. 1944 entsprungen. Außerdem – kann mir jemand mal erklären, warum Martin (wie auch Lissy) normalerweise hochdeutsch spricht? Verdrängen zwanzig Jahre Australien den Heimatdialekt und lassen nur die Hochsprache zurück? Okay, weiter im Text. Der Bus leert sich und nur zwei junge Frauen bleiben übrig. Währens sich alle irritiert abwenden, erkennt Alois, der die beiden Damen vermutlich länger im Blick behalten hat, die Situation. Das sind die representanti! Allgemeines Entsetzen, während die beiden - "Ciao!" - auf die Bergwachtler zukommen. Frauen! Sowas! Martin setzt zu einer potenziell langen Rede an, aber die beiden verstehen kein Wort. Zum Glück verstehen sie auch kein englisch, so dass wir nicht allzuviel „australisches“ Englisch von Martin aushalten müssen. Die kleine Italienerin heißt Sandra, die große Lea. Und sofort beginnt der unausweichliche Reigen von Unterschätzungen: Die beiden kann man ja auf keinen Fall in die Gamskopfwand mitnehmen, und in die "Blaue Isar" auch nicht (okay, das lasse ich durchgehen), und außerdem sollte man sie im Hotel unterbringen. Die beiden wollen aber nicht ins Hotel, sondern auf die Hütte. Auch gut. Böglerhof. Vroni beschimpft Fatze, weil der offenbar Tanja geküsst hat und sie den guten Ruf des Böglerhofs in Gefahr sieht. Just, als Christl hinzu kommt, beschließt Fatzke abzureisen, was zu einem Streitgespräch zwischen Christl und ihrer selbsternannten Geschäftsführerin führt. In dem Moment kommen Martin und Emmeran herein, um... tja, um was zu tun? Sie erklären Christl ihr Verständigungsproblem mit den Italienerinnen. Wie Christl da helfen soll, bleibt weitgehend ungeklärt, aber Vroni springt sofort in die Bresche: Zwanzig Jahre Caorle seien ja nicht spurlos an ihr vorbei gegangen, da könne sie ja übersetzen. Wisst ihr noch, wie ich vorhin gesagt hab, dass wir Glück hatten, dass die Italienerinnen kein englisch sprechen? Ja, das nehm ich zurück. Christl freut sich im Stillen darüber, Vroni los zu sein. Berghütte. Die Italo-Alpinisti richten sich ein. Alois setzt voll auf "amore", aber wie Sepp treffend bemerkt: "Die wollen kraxeln und nicht schnaxeln." Hehe. Conny trifft mit den üblichen großen Gesten und den Utensilien für - trara! - eine Diashow ein. Die Begeisterung der Italienerinnen kennt keine Grenzen. Da trifft Vroni mit Emmeran und Martin ein und italienert ungefähr so gut wie Martin englisch spricht, versucht das aber durch Lautstärke und grandezza nicht ganz erfolglos zu überspielen. Während der ganzen Szene versucht Alois, sich an Sandra ranzumachen, was aber von Vroni, Alois' Tapsigkeit und dem insgesamt wenig erotisierenden Konzepts der Diashow zunichte gemacht wird. Wenigstens merken Martin und Conny schließlich, das ihre Gäste sich nur mäßig gut unterhalten fühlen. Außerdem: Newsflash - Emmeran ist ein Tölpel. Böglerhof. Tanja weint - wahrscheinlich, weil sie weiß, dass Lissy gleich in die Szene eintreten wird. Oooder: Sie hat ihre wahren Gefühle erkannt - wann? - und schreibt jetzt einen Brief an Alois, als Christl und eben Lissy eintreten. Lissy soll für Conny Frauen zusammensuchen, um die Alpinisti zu unterhalten. Hä? Egal. Irgend ein Gasthof. Sepp, Conny und Günther üben mit Alois sein neues Mantra, seine "spirituelle Ausstrahlung" ein, als Vroni mit Sandra und Lea hereinkommt und jeglichen Spiritualismus im Keim erstickt. Vronis Übersetzungskünste werden in Frage gestellt - Zeit wird's! - und Conny schmeißt sich an Lea ran. Natürlich sucht sich Lissy genau diesen Moment aus, um zur Tür herein zu kommen, aber Vroni schreit so laut, dass sich Conny von Lea abwenden kann, bevor Lissy was merkt. Kramerhof. Emmeran und Martin sitzen dumm rum, während Christl einen Gummibaum durchs Haus trägt. Christl entscheidet, dass sie natürlich am nächsten Tag in die Gamskopfwand gehen sollen. Hat irgend jemand "Füller" gesagt? Im Gasthof Zur Namenlosen Einkehr ist Vroni inzwischen bei Caorle-Reminiszenzen angekommen, Conny schmust mit Lissy (naja, das muss er ja), Alois kuschelt mit Sandra, Tanja ist nölig. Die Möglichkeit, Frauen in die Wildbacher Bergwacht aufzunehmen, wird so kontrovers diskutiert, wie es die fortgeschrittene Stunde noch zulässt. Alle versuchen sich rauszureden, nur Alois gibt den Wildbacher Chauvinismus unumwunden zu, was ihm Sandras Bewunderung sichert - was wiederum Tanja zum Verzweifeln bringt. Und auch Lea wirkt genervt – vielleicht, weil Conny lieber mit Lissy schmust als mit ihr. Vroni löst die verfahrene Situation, indem sie "Zwei kleine Italiener" anstimmt. Röchel. Nächster Tag, schlechtes Wetter, Almwiese. Alois und Conny erzählen Martin vom Vorabend nichts, das wir nicht auch schon gesehen hätten. Emmeran will keine Frauen in der Bergwacht haben, Conny auch eher nicht. Alois hat nichts dagegen, Martin ist politisch korrekt wie immer. Sie kommen an der Hütte an, aber Sandra und Lea sind schon auf dem Weg zum Gamskopf – mit der zweifellos total bergerfahrenen Vroni. Die drei Männer finden die drei Frauen, auf einer Almwiese rastend. Das Wetter ist inzwischen wieder sonnig, und man erkennt deutlich, dass die Schneegrenze noch unterhalb der Baumgrenze liegt. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie man bei dieser Schneelage (!) mit Vroni (!!) auf dem schwierigsten Gipfel der ganzen Gegend (!!!) gehen kann. Aber Vroni ist ganz begeistert; sie sind schon wieder auf dem Rückweg. Spontan gesteht Martin seinen Respekt für die Italienerinnen, die übrigens Vroni mit nach Italien nehmen wollen. Niemand versteht warum, aber es fragt auch vorsichtshalber niemand nach. Später am Busbahnhof. Die Italienerinnen samt Vroni steigen unter großem Bohei in den Bus. Sandra und Alois küssen von beiden Seiten die Fenstersschreibe des Busses, obwohl er dafür wahrscheinlich auf einer Leiter stehen musste. Der Bus fährt davon, und Emmeran spricht aus dem Off darüber, wie er sich kaum mit Frauen in der Bergwacht anfreunden könnte. Was? Echt nicht? Oh. Aber dann sagt Lissy: "Ach Emmeran, hast du wirklich geglaubt, dass wir das ernst gemeint haben?" und macht damit jede nur denkbare feministische Aussage dieser Episode komplett zunichte. Wie sie sovieles zunichte macht. Fassen wir zusammen: Keine Aussöhnung von Vroni und Christl, keinerlei idiotische Touristen, keine Rettungsaktion, kein messbarer Humor, kein messbares Drama. Aber nur wenig Lissy, von daher wollen wir uns nicht beklagen. |