Staffel 1: Episode 8: GEFANGEN IM FELS
Drehbuch: Reinhard und Peter Probst


Willkommen zu Episode 8 – oder mit anderen Worten,  noch fünf Episoden, bis wir Jessica Stockmann los sind.

Diese Episode fängt damit an, dass Martin Kramer minutenlang in einer Art Truck (es ist schwer zu erkennen) durch die Gegend fährt, gefolgt von einer Szene, in der ein paar Kinder auf Mountainbikes minutenlang durch einen Hindernisparcours beim Kramerhof strampeln... offenbar ist die Folge zu kurz ausgefallen? Jedenfalls stellt sich eins der Kinder, der dürre Toni, besonders ungeschickt an, und die anderen verspotten ihn deswegen. Toni spielt die beleidigte Leberwurst und geht in die Werkstatt, wo Martin ihn wenig erfolgreich aufzumuntern versucht. Die Kinder werden von ihren Eltern abgeholt - offenbar ist der Kramerhof gleichzeitig Wildbachs Gästekindergarten?! –, und die Eltern wollen am nächsten Tag mit den Kindern auf den Berg gehen. (Na, hat schon irgendwer eine Ahnung, wo uns dieser Handlungsstrang hinführen wird?) Martin schlägt etwas Unaussprechliches als Ziel vor und warnt gleichzeitig vor dem schlechten Wetter. Uiuiui.


Unterdessen bei Sport Conny: Conny spielt mit einer Carrera-Bahn, und Inge schlägt sich mit einer zickigen Kundin herum. Bernd kommt dazu und spielt auch mit der Carrera-Bahn. Die Zuschauer warten auf Handlung. "Ach, warum ich da bin", sagt Bernd schließlich. Ja? Ja? Er will einen Zettel bei Conny aufhängen, weil er eine neue Wohnung sucht. Conny kann seine Freude, dass Bernd nicht mehr ständig in Lissys Nähe herumhängen wird, kaum verbergen, darum kritisiert er nur kurz Bernds Formulierung und verspricht dann, ihm tatkräftig zu helfen.

Bernd geht, Lissy kommt herein – kein guter Tausch! Sie erinnert Conny an eine gesellschaftliche Verpflichtung – den Trachtenabend. Will sie da etwa ihr giftgrünes Pseudo-Dirndl tragen, das sie in dieser Szene bereits anhat? Offenbar schon, denn während Conny in der nächsten Szene zumindest halbwegs urtümliche Tracht anlegt, steht Lissy in demselben Kryptonit-grünen Monster herum und spielt Flipper. Der Dialog? Oh, Bernd will ausziehen (echt jetzt?), und Conny ist Lissy total treu (wie jetzt?).


Zwei unsäglich schlecht schauspielende Kinder im Hotelzimmer werden beim Fernsehen von ihren Vater erwischt. Der eine will morgen klettern, der andere nicht. Beide können nicht schlafen. Der Zuschauer schon.

Trachtenabend. Sie hat das giftgrüne Dirndl wirklich an - beim Landlertanz. Wo übrigens alle anderen Frauen schwarz-weiße Kombination mit dunkelgrünen Röcken tragen. Subtile Charakterisierung? Ich glaube nicht. Die Dialoge sind weitgehend inhaltsfreie Zone, aber das macht nichts, denn dies, meine Damen und Herren, war Lissys letzte Szene für diese Episode! Einen großen Applaus für die ausnahmsweise weitsichtigen Autoren dieser Folge!

Martin und Christl beim romantischen Abendessen. Christl ist erstaunt, dass Martin weiß, dass sie Geburtstag hat. Aber es gibt trotzdem Champagner. Und er hat noch mehr für sie - einen überdimensionalen Joystick. Nicht, was ihr jetzt wieder denkt! Sie muss einen Knopf auf dem Joystick drücken, und die Lichter gehen draußen an an dem... Wohnmobil! Dem vom Anfang der Episode, das man so schlecht erkennen konnte. Die Konturen Afrikas und das Wort Sahara blinken auf der Seitenwand. "Und im Herbst fahren wir damit durch die Sahara", verspricht Martin. Christl schnappt nach Luft, denn was kann man sich schon Schöneres wünschen, als mit einem alten Wohnmobil durch eine der langweiligsten und gefährlichsten Gegenden der Welt zu fahren?

Am nächsten Morgen ist Familie Tourist unterwegs. Geplänkel, das ich nicht transkribieren werde. Dann ertönt in der Ferne das standardisierte Donnergrollen. "Bis das Gewitter hierher kommt, sind wir längst wieder im Tal", sagt der Vater unbesorgt. Berühmte letzte Worte.

Christl hat bei Martin übernachtet, und er macht ihr Frühstück. Martin weist darauf hin, dass der Föhn zusammenbricht und das Wetter jetzt schnell umschlagen wird, damit auch der dümmste anzunehmende Zuschauer nicht vergisst, in welcher Gefahr sich Familie Tourist befindet. Christl ist das schnurz; sie will mit dem neuen Wohnmobil einen Spontantrip ans Meer machen.

Familie Tourist ist inzwischen an einer Hütte angekommen und trinkt frische Kuhmilch – bis auf den älteren Sohn, der sich weigert. Ich kann ihn gut verstehen; frische Kuhmilch ist echt eklig. Der Senn warnt, dass in einer halben Stunde wettermäßig "da Duifi los" sein wird - Redundanz, irgendjemand? - und Familie Tourist bricht wieder auf. Das Wetter verschlechtert sich tatsächlich innerhalb der nächsten Sekunden, und Familie Tourist, die zu allem Überfluss auch noch eine Abkürzung genommen hat - ts, ts - ist am Rande eines Nervenzusammenbruchs.

Und dann findet Matthias, der ältere Sohn, eine Höhle, in der er Berg-Indianer vermutet, und vergeudet weitere wertvolle Zeit - vor allem dadurch, in die Höhle hineinzufallen. (Wer hätte das gedacht?) Für die nächsten Minuten bestehen die Dialoge nur noch aus "Matthias! Matthias!" Dann stellt sich heraus, dass er in einem Spalt eingeklemmt ist; der Vater zieht los, Hilfe zu holen.


Während dessen scheint in Wildbach noch die Sonne, aber Martin, der offenbar darauf wartet, dass Christl ein paar Sachen zusammenpackt, nutzt die Zeit, um mit einem urigen Einheimischen darüber zu sprechen, dass "a Wötter" aufzieht. Und dass alle bald "der Katz" gehören, die noch unterwegs sind. Haben das jetzt auch wirklich alle verstanden? Nicht, dass irgendwo ein Zuschauer denkt, es könnte heiter bis wolkig bleiben. Also - noch ein letztes Mal zum Mitschreiben: Das Wetter wird jetzt richtig schlecht! Okay? Gut.

Unterdessen sitzt das Kind immer noch in der Höhle und wird zunehmend ungeduldig. Der Vater ist inzwischen von der Almhütte zurück, und feuert noch ein paar Schuss mit der Spielzeugpistole seines Sohnes ab, um... öh... wer weiß?


Ah ja, es ist an der Zeit, uns an Toni zu erinnern. Er steht dumm rum, während seine Oma sich bei Sport Conny beschwert, dass sein Fahrrad so schwer geht. Da kommt der Anruf, und Conny muss los zum Einsatz. Er findet Martin, kurz bevor der ins Wohnmobil steigt und an die Adria verschwinden will. "Bist du nicht angefunkt worden?" will Conny wissen. "Nein, wir fahren in den Urlaub", erwidert Martin. Gut, kein Problem für Conny: "Ist dir doch recht, wenn ich die Leitung übernehm?" Die Organisation bei der Wildbacher Bergwacht scheint ja großartig zu funktionieren; gibt es für solche Fälle keine Befehlskette? Kein Wunder, dass in der dritten Staffel die Felstiger gegründet wurden... aber dazu kommen wir mit der Zeit schon noch. Christl weiß, dass Martin eigentlich zum Einsatz will, also fahren sie erst morgen ans Meer. Sie ist so verständnisvoll.

In der Höhle verbringt die Familie etwas mehr Zeit mit Pistolenschießen und Blöde-auf-das-Kind-Einreden. Und obwohl der Junge einen verletzten Arm hat und sich kaum bewegen kann, schmeißt die Mutter ihm fast alles runter, was sie selbst an Kleidung trägt, und wird bestimmt gleich selbst unterkühlen. Außerdem dauert ihr das alles zu lange. "Warten wir noch zehn Minuten", schnappt sie, und dann - wird sie wahrscheinlich ein rituelles Opfer bringen, so wie sie guckt. Und da möchte ich nicht in der Haut ihres Mannes stecken.

Aber die Bergwacht ist schon unterwegs, während Mutter in einer eingewickelten Socke Wasser in den Spalt lässt. Wenigstens ist sie erfindungsreich! Die Bergwachtler kommen zu viert in der Höhle an und versuchen, den Jungen mit einer Bandschlinge zu bergen. Hey, da ist Alois. Und ich dachte schon, er hätte die Woche frei gehabt. Das mit der Bandschlinge klappt natürlich nicht, weil das Loch zu eng für Conny ist, und der ist schließlich noch der dünnste von den vieren. Günther und die Video-Anlage werden angefordert, was für Günther, der alles tragen muss, sehr unbequem ist.

Und schon ist Günther in der Höhle. Aber anstatt das Equipment zu nutzen, das er mitgebracht hat, lassen unsere Spitzenbergwachtler jetzt erstmal einen Gurt in die Höhle, an dem das Kind sich festhalten soll, und ziehen den dann hoch. Wie vorherzusehen war, scheitert das, als Matthias sich mit seinem verletzten Arm nicht mehr halten kann und wieder herunter fällt. Plonk. Und uiuiui. Er antwortet nicht mehr. „Was ist mit ihm?“ will die Mutter wissen. "Ich hoffe, nichts Schlimmeres", meint Martin, "die Spalte kann ja nicht allzu tief sein." Wenn ihr euch gemerkt hättet, wieviel Seil ihr runter gelassen habt, Jungs, dann wüsstet ihr jetzt, wie tief genau! Egal, nächster Schritt: Die Video-Anlage aufbauen. Denn: Auch, wenn er bewusstlos ist und niemand zu ihm runterkommt - egal! Hauptsache, wir können nachher die Bilder an Brisant verkaufen, oder? Aber okay, die Kamera findet ihn, und er atmet. Halleluja! Geschickt überzeugt Martin die Eltern (und den von den Autoren weitgehend vergessenen kleinen Bruder), jetzt abzusteigen und den Rest des Einsatz von der Leitstelle aus zu verfolgen. Nach der Furi-osen Darbietung der Mutter von vor ein paar Minuten hätte ich nicht gedacht, dass die sich darauf einlässt, aber sie tut es.

A propos Leitstelle. Christl kommt rein und Emmeran erzählt ihr untypischerweise ausführlich, wie der Einsatz verläuft. Unterdessen in der Höhle: Günther erklärt, dass es langsam Zeit wird, das Kind zu bergen (ach was!), Martin macht sich Vorwürfe, den Eltern diesen Weg empfohlen zu haben, und Conny will die Engstelle aufmeißeln, Steinschlag hin oder her, denn es passt ja niemand durch. Aber Martin erinnert sich, wie spindeldürr der Toni doch ist, und lässt ihn von Christl herbringen. Erst will Toni nicht, weil der Matthias ihn immer verspottet: Ein Grischbal wäre er. (Nicht, dass sich Matthias so anhört, als würde er das Wort „Grischbal“ kennen, geschweige denn verwenden.) Aber dann appelliert Christl an Tonis Freundschaft zu Martin, und er ändert seine Meinung. "Wenn der Martin mich braucht, dann komm ich auch", erklärt er mit dem gesammelten Pathos eines amerikanischen Actionhelden.

Die Zeit verstreicht, aber Martin besteht darauf, auf Christl und Toni zu warten, die im Übrigen ganz allein den Berg heraufkraxeln. Vielleicht wäre es schneller gegangen, wenn jemand Christl den Weg zu der abgelegenen Höhle an der unbeschilderten Abkürzung gezeigt hätte? Naja, dann sind sie ja doch da und bereiten den Toni vor. Unterdessen in der Leitstelle: Nervosität und Teetrinken.

Aber plötzlich hört Matthias auf zu atmen, und der immer noch skeptische Toni wird endlich in den Spalt hinab gelassen. Er erreicht Matthias und legt ihm nach einem Fehlversuch endlich den Gurt an, während Günther wenig hilfreich herumquengelt. Martin fährt ihn an - gut so! Günther weist uns darauf hin, dass das Kind seit zwei Minuten nicht mehr atmet, und wir alle fragen uns, warum Toni als erster wieder rausgezogen wird, und nicht das Kind ohne Atmung?

Danach loben alle den Toni, und endlich holen sie auch Matthias raus, und er atmet, aber "sehr flach", wie Günther uns mitteilt. Doch noch ist nicht alles gut, denn Emmeran teilt dem Einsatzteam mit, dass es keinen Hubschrauber geben wird, weil alle verfügbaren bei einem Einsatz auf der Autobahn sind. Alois verliert ein bisschen die Nerven und flucht rum, und ich hoffe nur, dass das die Eltern in der Leitstelle nicht mitbekommen. "Das dauert gar nicht so lang, das kommt uns nur so vor", beteuert Conny. Und uns Zuschauern erst! Und dann hören wir den Hubschrauber, dem "dös Wetter" offenbar nichts ausmacht, und Matthias wird endlich, am Seil hängend, davongeflogen. Kurz gönnt man uns einen Blick auf den davonfliegenden Hubschrauber, unter dem die Bergungsbahre bedrohlich hin- und herschwankt. Ich hoffe nur, ich muss niemals von diesem Piloten gerettet werden!


Leitstelle. Alle warten. Das Telefon klingelt. Wird er es geschafft haben? "Auf dem Weg der Besserung", sagt Emmeran. Na also. Und jetzt ist es an der Zeit, den Toni zu feiern. Christl will ihm einen Orden verleihen, aber Martin schlägt die Ehrenmitgliedschaft bei der Bergwacht vor. Hat das irgend jemand kommen sehen? Was, alle? Gut für euch. Und damit auch jeder sieht, was für ein toller Hecht der Toni ist, bekommt er einen Helm geschenkt.

Im Weggehen kommt Christls Geburtstag zur Sprache, und Toni meint, da müsse er ihr ja schnell noch ein Bild malen. Ist er dafür nicht viel, viel zu alt? Na, egal, Matthias war ja auch auf der Suche nach Indianern in den Alpen. "Ein schöneres Geschenk als die Rettung von Matthias hättet ihr mir gar nicht machen können", ist die arme Claudia Demarmels gezwungen zu sagen, und dann muss sie auch noch hinzufügen: "... meine beiden mutigen Männer." Zum Glück beginnt die Titelmusik, bevor sie das Klischee vertiefen muss.